Märchen auf dem Schloss, 7. September 2008

Erst nur zögernd, dann aber mutig und entschlossen öffnet der kleine Junge dem Schlossgeist die schwere Holztüre. «Könnt Ihr ihn sehen?» Er ist jetzt unter uns, erklärt die Märchenerzählerin Manuela Bötsch. Und schon überkommt mich dieses unbeschreibbare «sagenhafte» Gefühl, wie es eben nur beim Zuhören von Sagen und Märchen entstehen kann. Bevor es aber losgeht, muss noch der Ring, gestreut mit Feenstaub, um alle Anwesenden geschlossen werden. Niemand darf jetzt diesen geheimnisvollen Kreis verlassen, ermahnt uns die Märchenerzählerin Françoise Sottini. In der hochgehaltenen Hand hält sie eine Klangschale, welche sie leicht anschlägt.

 

Nach dem Ausklingen von einem fast unendlich lange anhaltenden Summton ist der Weg frei für die unglaublichen und vielleicht doch wahren Geschichten von Königen, Zwergen, Schlössern und tiefen Wäldern. Im von Kerzenlicht erleuchteten Schlosskeller meisternhaft vorgetragen, bewirken die Erzählungen staunende und fragende Blicke zugleich. Ob Hans Kuhschwanz den versprochenen, randvoll mit Goldstücken gefüllten Eimer wohl finden wird? Diese Frage bleibt auch während dem offerierten, weltlichen Pausen-Umtrunk vor dem Schloss, unbeantwortet. Jedoch finden die von guten Feen hausgemachten Backwaren grossen Anklang und der Wellenberger-Schlosswein scheint mich wiederum in die Märchenwelt zu befördern. Gut so – denn auch der zweite Teil lässt mich von einer Welt träumen, die einmal war. Und wenn ich auch nicht Hans Kuhschwanz heisse, so suche ich nun trotzdem nach dem Eimer hinter dem Herd!

 

Bild: Yvonne Müller, Text: Res Barben

 

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